Frankreich, Spanien, wir kommen!
Jungfernfahrt September 2019:
diagonal durch Frankreich bis in die spanischen Pyrenäen
Frankreich, Spanien, wir kommen! Die aller-allererste Fahrt mit unserem neuen Mini-Camper geht endlich los. Wir krempeln unser bisheriges Urlaubskonzept um (mehr dazu unter ALL YOU NEED IS LESS) und werden zu Campern! Ohne vorheriges Ausprobieren, ohne Probelauf.
Um einen sanften Übergang in die uns fremde Camping-Welt zu schaffen, nehmen wir uns vor, nur so oft wir Lust haben, im Auto zu schlafen. Für alle anderen Nächte buchen wir ein Hotel, Ferienhaus oder eine Wohnung. Sicher ist sicher.
Eine grobe Vorstellung von der Route gibt´s: ganz entspannt diagonal durch Frankreich, bis in die spanischen Pyrenäen. Ganz genau wissen wir es nicht, wir werden uns treiben lassen.
Am Ende sieht die Tour so aus:
Solingen – Metz – Gorze – Lac de Saint-Agnan – Lanteuil – Montolieu – Carcassonne – Saldes – Figueres – Roses – Perpignan – Languedoc – Juvignac – Montpellier – Saint Remèze d´Ardèche – Nancy – Solingen

Die erste Nacht: „Hallo, mulmiges Gefühl!“
Metz – eine tolle Stadt, die wir bereits kennen und mögen. Sie ist heute nur unser Zwischenstopp. Unter knallblauem Himmel genießen wir ein kühles Bier. Mehr gibts nicht, denn es geht schließlich noch weiter heute.
Etwa 20 Kilometer außerhalb von Metz erwartet uns die aller-allererste Nacht in unserem Camper: freistehend auf dem Parkplatz einer Sportanlage im Dorf Gorze. Mir wird´s ganz mulmig, sobald ich daran denke, nur mit etwas Blech um uns herum zu schlafen. Oli macht das nichts aus, er bleibt ganz cool.
Am Abend organisiert eine Kneipe im Dorf Live-Musik in ihrem Biergarten. Inklusive Menü am Tisch. Schöne Idee. Dieser Auftakt war schon mal außergewöhnlich. Und besonders.
So gehen wir ziemlich entspannt zum Auto und zügig ins Bett. Einschlafen klappt besser als gedacht – dank beruhigendem Hörbuch.
Um sieben Uhr morgens bin ich wach – ohne Wecker. Wir erkunden den naheliegenden Wald und entdecken eine Freiluftkapelle. Uralte Kastanienbäume, im Kreis gepflanzt. Ein magischer Ort. Die Lichtung wird gerade für eine Hochzeit geschmückt – romantisch!
Bereits am ersten Tag haben wir andere Dinge erlebt als sonst. Es fühlt sich authentischer an, alles ist ein bisschen unorganisierter und damit überraschender. Den Verzicht auf bestimmten Komfort spürt man sofort, aber es stört uns nicht.
(Fast) allein am mystischen See von Saint-Agnan
Am Nachmittag erreichen wir den Lac de Saint-Agnan in der Bourgogne. Da auf dem Ufer-Parkplatz keine Verbotsschilder für Camper zu sehen sind, bleiben wir. (Anmerkung: 2020 waren wir noch einmal an diesem See und das Campen, Zelten, Übernachten ist mittlerweile verboten.)
Die Stimmung ist bizarr-schön: Morbide Baumleichen, morsch und voller Risse, liegen am Ufer herum. Graue Wolken türmen sich über dem See, es beginnt zu regnen (und hört bis zum nächsten Morgen nicht mehr auf). Wir umwandern einen Teil des Sees. Gegenüber von unserem Platz gehen wir am Abend im Restaurant „La Vielle Auberge du Lac“ essen.
Unsere zweite Nacht im Mini-Camper. Ich habe wieder ein mulmiges Gefühl. Ein weiterer Camper, eine alleinreisende Frau mit Hund, parkt ebenfalls am See. Irgendwie entspannt mich das. Der Regen trommelt beruhigend auf das Autodach – Schlafen ist tatsächlich kein Problem.
Am nächsten Morgen regnet es weiter. Nach schneller Katzenwäsche in der Kälte und kurzem Frühstück unter der Heckklappe verlassen wir den Ort. Regen passt nicht wirklich zu unserem Camping-Konzept: Im Auto gibt es nicht genug Raum zum Aufhalten, alle nassen Sachen (Klamotten und Equipment) müssen beim Weiterfahren ins Innere, und sobald es länger regnet, wird es ungemütlich. Na ja, einmal Regen ist zu verschmerzen.
Zwei Nächte schon! Fühlt sich gut an
Frankreich, Spanien, wir kommen! Es geht 400 Kilometer in Richtung Südwesten. Je weiter wir ins Zentrum Frankreichs kommen, desto vertrockneter ist das Land: Braun ist die dominierende Farbe. Braune Wiesen und Felder, braunes Laub an den Bäumen. Sieht traurig aus. Es war (wieder) ein sehr heißer, trockener Sommer … seit Monaten hat es hier nicht geregnet.
Die Bäuerin in Lanteuil, bei der wir die nächste Nacht verbringen, erzählt uns, dass im August bei der größten Hitze manches Vieh auf den Weiden einfach tot zusammengebrochen ist. Man spürt im Gespräch schon eine gewisse Verzweiflung.
Und was passiert an diesem Abend nach einem goldenen Sonnenuntergang? Es regnet!
Die ersten Herausforderungen beim lässigeren Campen
Die Nacht ist leider unruhig: Wir beide haben uns den Magen verstimmt und sind ziemlich angeschlagen. Daher entscheiden wir am Morgen, ein bis zwei Nächte in einem Chambre d´Hôte in Montolieu zu verbringen. Lieber ein Zimmer mit eigenem Bad als im Auto ohne Toilette. Der Komfort tut echt gut und die Gegend ist ganz interessant, sodass wir vier Nächte bleiben. Wir schwächeln!!!
(hier wäre üblicherweise ein Link zur Unterkunft, aber das Haus ist seit 2022 geschlossen)
Ausflug ins Mittelalter und bis zu den Sternen
Die Zeit in Montolieu nutzen wir für einen Ausflug nach Carcassonne. Wir besichtigen die Cité de Carcassonne, eine mittelalterliche Festungsanlage, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Umgeben von einer schützenden Stadtmauer liegt der alte Stadtkern der Cité. Sobald man durch das Tor eintritt, taucht man ein in eine andere Welt. Von hier oben hat man einen weiten Blick über das „neue“ Carcassonne.
Carcassonne ist lediglich ein Zwischenstopp, weil wir nach Lastours wollen. Das Restaurant Le Puits du Trésor ist unser Ziel. Das Essen ist super lecker, der Wein aus der Region richtig gut (dem Erzeuger, Chateau St. Jaques d´Albas, statten wir in den nächsten Tagen einen Besuch ab, um uns einige Flaschen Rotwein für zu Hause zu sichern).
Unsere kulinarischen Tipps
Restaurant Le Puits du Trésor:
http://www.lepuitsdutresor.com
Gehobene Küche mit 1 Michelin-Stern.
Weingut Chateau St. Jaques d´Albas
https://chateaustjacques.com
Wir haben die Roten Minervois-Weine probiert. Ausgezeichnet!
Das Weingut bietet auch Übernachtungsmöglichkeiten.
Pyrenäen, Puigdemont und Pac-Man
Heute geht´s in einem Schwung in die spanischen Pyrenäen. Unser Ziel ist Saldes, im Naturpark Cadì-Moixeró. Auf dem Campingplatz Càmping Repòs del Pedraforca werden wir sehr freundlich empfangen (es ist die Zeit, in der der katalanische Politiker Puigdemont in Deutschland Schutz findet).
Wir dürfen uns einen Stellplatz auf dem terrassenartig angelegten Gelände aussuchen. Wir breiten uns auf einer leeren Wiese aus und genießen bei einem Bier aus der Bar den Blick auf die Präpyrenäen (tolles Wort), die uns hier umgeben. Zwei Berggipfel verschieben sich perspektivisch und erinnern mich an „Pac-Man“.
Mit der Ruhe ist es schnell vorbei: Eine Gruppe junger Spanier und Spanierinnen belegt die Wiese mit Camper-Vans. Lichterketten an, Bier raus und Musik aufdrehen! Während wir noch überlegen, ob das wohl die nächsten Stunden so bleibt, kommt eine der Camperinnen auf uns zu. Auf ziemlich perfektem Deutsch bittet sie uns, Bescheid zu geben, falls wir uns gestört fühlen. Wir fühlen uns in dem Moment natürlich überhaupt gar nicht gestört, und gegen 23 Uhr verstummen alle Geräusche wie auf Kommando.
Direkt vom Campingplatz aus können wir Wanderungen im Naturpark Cadì-Moixeró unternehmen. Bei der Einkehr in ein kleines uriges Lokal stoßen wir auf interessante Trinkgewohnheiten. Der Umgang mit der Weinkaraffe sorgt für Gelächter: Der Wirt eilt schnell zu Hilfe, als Oli mit der falschen Öffnung vergeblich versucht, das Glas zu füllen. Was soll´s, es sind nur Papiertischdecken.
Die spanischen Pyrenäen haben uns richtig gut gefallen. Klare Reise-Empfehlung!



Übernachtungs-Tipp
Campingplatz in den spanischen Pyrenäen:
http://www.campingpedraforca.com
Terrassenartig angelegter Platz mit Blick auf das Bergpanorama.
Beste Ausgangslage für Touren durch die Präpyrenäen.
Surreal: Kunst & Fisch
Nach drei Tagen und Nächten fahren wir weiter Richtung spanische Mittelmeerküste. In Figueres, Heimatstadt von Salvador Dalí, besuchen wir das Teatre-Museu Dalí. Irre und absolut sehenswert! Bereits aus einiger Entfernung fällt die dunkelrote Fassade ins Auge, die an ein Theater erinnert. Gigantische Eier „wachen“ oben auf den Mauern, dazwischen stehen kleine „Oscar“-ähnliche Skulpturen.
Die Ausstellung in dem außergewöhnlichen Gebäude zeigt eine umfangreiche Sammlung von Dalís Werken: Gemälde, Zeichnungen, Fotografien, Skulpturen … vieles davon zum Zwei-Mal-Hinsehen (wegen der optischen Täuschungen), alles ziemlich surreal. Dieses Museum hat viele Hingucker und ist deshalb selbst für Leute, die sonst nicht die typischen Museeumsbesucher sind, klar zu empfehlen.





Nach einer Übernachtung im Hotel erreichen wir am nächsten Nachmittag den kleinen Touri-Ort Roses an der Costa Brava. Wir machen einen Übernachtungsplatz klar (keine Empfehlung an dieser Stelle) und fahren zum Hafen Port de Roses. Wer selbst kocht, kann im Fischmarkt „Peixos Marpla-Peixetaria Bahía Y Anxoves De Roses“ aus einer beeindruckenden Vielfalt von frischem Fisch auswählen. Einige der angebotenen Meerestiere sehen schon ziemlich interessant aus … wir trauen uns aber nicht so recht und kaufen lediglich eine ordentliche Portion Gambas. Auch lecker!
Einkaufs-Tipp
Peixos Marpla-Peixetaria Bahía Y Anxoves
http://www.anxovesderoses.com
Fischmarkt direkt am Hafen von Port de Roses.
Große, außergewöhnliche Auswahl an fangfrischen Meerestieren.
Tetris für Weinliebhaber
Wir bleiben nur eine Nacht und jetzt geht´s retour, also Richtung Deutschland, nach Hause! Es ist bereits Anfang Oktober, wir sind fast zwei Wochen unterwegs. Einerseits fühlt es sich kurz an (was sind schon zwei Wochen?), andererseits sind so viele Eindrücke im Kopf, die noch nicht verarbeitet sind. Wir haben unterschiedlichste Landschaften durchquert, viele Menschen getroffen – mehr als sonst im Urlaub – und unser Konzept „ALL YOU NEED IS LESS“ fühlt sich richtig an. Weniger Komfort, weniger Klamotten, weniger Luxus (abgesehen vom Sterne-Restaurant und so …) – dafür mehr Freiheit.
Erstmal Richtung Frankreich: Wir lassen Perpignan an uns vorbeiziehen, fahren durch das Languedoc und erreichen in Juvignac das Weingut Château de Fourques, wo wir gratis über Nacht bleiben dürfen. Wir revanchieren uns mit dem Kauf einiger Flaschen Wein. Von hier aus besuchen wir Montpellier – eine sehr lebhafte Stadt mit historischem Zentrum und vielen prachtvollen Bauten, abends mit toller Lichtinszenierung in Szene gesetzt.
In Frankreich darf ein Stopp in der Ardèche-Region nicht fehlen, denn wir lieben diese Landschaft und die kleinen Orte. Hier liegt eins unserer absoluten Lieblings-Weingüter: Château Rochecolombe. Wir kaufen noch ein paar Vorräte und die Kartons ins mittlerweile gut gefüllte Auto einzuladen ist wie Tetris – irgendwie schieben und drücken wir es zurecht … gewonnen!

Wir verbringen eine Nacht auf einem einfachen Campingplatz an der Ardèche (keine Empfehlung).
Auf dem Rückweg nach Deutschland möchten wir noch unbedingt Nancy besuchen. Damit steht bei diesem letzten Stopp unseres allerersten Roadtrips noch eine Herausforderung (Mutprobe?) an: Camping bzw. unauffälliges Freistehen mitten in der Stadt.
Nancy: viel Licht und noch mehr Mücken
Am Nachmittag in Nancy checken wir die Lage eines großen Parkplatzes in der Nähe des Zentrums. Völlig in Ordnung für eine Nacht: nicht allzu belebt, eher wie ein Gewerbe-Mischgebiet, neben einer Naherholungsfläche mit Teichen. Nach unserem Stadtbummel werden wir hierhin zurückkehren.
Abends essen wir im Excelsior, einer Brasserie in einem prächtigen Jugendstilgebäude mit pompöser Einrichtung. Ziemlich beeindruckend, aber so gar nicht „ALL YOU NEED IS LESS“. Es sei denn, Austern und Champagner (die Klassiker in diesem Lokal) gehören zu den absoluten Basics.
Nancy ist für seine aufwendigen Lichtinstallationen bekannt, die die einzigartige Architektur spektakulär in Szene setzen. Wir genießen den letzten Abend und steuern nach einem „Absacker“ unseren Schlaf-Parkplatz an.
Tja … in einem der Gebäude ist jetzt ein Tanzclub geöffnet. Es ist Samstag und laut Internet geht der Spaß bis zwei Uhr morgens. Oh no, das haben wir übersehen! Egal, wir quetschen uns in eine kleine Parklücke, nicht einmal Katzenwäsche ist machbar. Ein Kommen und Wegfahren auf dem Gelände, das Wummern der Bässe schallt bis nach draußen … an Schlafen ist nicht zu denken.
Je später, desto ruhiger.
Und dann geht´s los: MÜCKEN!!! Es surrt, es sticht … das kann nicht nur eine sein. Licht an! Allein am Autohimmel hängen ungefähr 15 Tiere! Sie kommen wohl von den Teichen nebenan durch unsere wenig geöffneten Fenster. Wir geben auf! Zwei Uhr morgens und es geht ab nach Hause. Was für ein Abschluss …
Fazit/Fakten/Daten:
Vieles war noch sehr improvisiert, aber für absolute Beginner gar nicht so schlecht organisiert.
Für einen zweiwöchigen Urlaub war die Gesamtstrecke zu lang. Auch die Etappen (vor allem durchs Gebirge) zwischen den einzelnen Spots zu lang, die Aufenthalte dort zu kurz. Eine Nacht und weiterfahren ist wenig erholsam, weil man am Ende nicht mehr weiß, wo man überall Halt gemacht hat.
Dafür haben wir viel gesehen, unser Improvisationstalent herausgefordert, Neues kennengelernt … das Camping-Fieber hat uns gepackt!
Wir haben viel öfter im Auto geschlafen als wir uns anfangs zugetraut haben: 10 Übernachtungen (+ 5 Übernachtungen in Unterkünften).
Unterwegs waren wir vom 21.09.2019 bis zum 06.10.2019.
Reine Fahrtstrecke (ohne Ausflüge): ca. 3.200 km
Am Ende haben wir ca. 3.800 km auf dem Tacho.
Regen torpediert unser Konzept. Wir brauchen mehr Schutz und Aufenthaltsmöglichkeiten. Deshalb muss ein Zelt her!
Achtung Fressfeinde: Meine Flip-Flops sind der heimischen Tierwelt der Pyrenäen zum Opfer gefallen. Also: Schuhe nachts nicht draußen stehen lassen! Ich hoffe, das Wildtier hat keinen Schaden davongetragen.
Wir brauchen mehr Licht! Mobile Leuchten, vor allem zum Kochen, Essen und Spielen sind unverzichtbar. Es wird früh dunkel im Süden Europas.
Sehr dringend: Mückenschutz! Diese Viecher rauben uns den letzten Nerv. Wir besorgen uns „Fenstersocken“ und einen Vorhang für die Hecköffnung.
Bewertung zu unserem Roadtrip Frankreich/Spanien
Im Inland von Frankreich viel Agrarlandschaft. Abwechslungsreiche Berge. Ruhiges Mittelmeer.
Franzosen und Spanier sind offen und bemüht, aber es mangelt beidseitig oft an den Sprachkenntnissen.
Auf dem Land und in den Dörfern immer Lokale vorhanden, in den Städten sehr gute Auswahl.
Habt ihr Tipps, Ideen, Kritik, Fragen oder Anregungen? Immer her damit!


















