Kurz weg nach Luxemburg
Nur mal kurz weg, wenn uns die Decke auf den Kopf fällt – das gehört eindeutig zu unserem Lässiger-Campen-Konzept. Die Wetterfee kündigt fürs Wochenende akzeptables Wetter an? Also: packen und losdüsen! Diesmal geht’s mit dem Mini-Camper nach Luxemburg. Bisher kannten wir das Land nur vom Durchfahren (und Kaffee-Kaufen), deshalb ist es höchste Zeit, einen Teil davon näher kennenzulernen.
Nur knapp 200 Kilometer von unserem Zuhause in Wuppertal entfernt liegt der Campingplatz Tintesmühle, ganz im Norden Luxemburgs bei Kalborn – direkt an der Our, einem Nebenfluss der Sauer und Grenzfluss zu Deutschland.
Wir haben nicht reserviert, deshalb bekommen wir von der superfreundlichen Betreiberin Florence „nur“ einen Platz in der zweiten Reihe – ohne Strom, dafür auf der grünen Wiese unter üppig blühenden Obstbäumen. Wie so oft haben wir Glück: Unser „Dicker“ passt fast überall hin, und da wir nahezu autark campen, sind wir flexibel.

Übernachtungs-Tipp
Campingplatz Tintesmühle an der Our (Ardennen):
https://www.campingtintesmuehle.lu
Ideale Ausgangslage für Wanderungen. Einige Plätze direkt am Wasser (reservieren!). Eigenes Lokal mit Getränken, aber ohne Speisen. Supermärkte: ca. 10-15 Minuten mit dem Auto entfernt.
Wander-Tipp: Nat’Our Route 1
Diese Rundwanderung geht vom Campingplatz aus los und kommt auf circa 13 km Länge. Auf der luxemburgischen Seite starten wir und es geht entlang der Our.
Unterwegs treffen wir an der Muschelaufzuchtstation „Station d’élevage de la moule perlière“ den dort tätigen Biologen, der uns spontan zu einer Besichtigung einlädt. Wir haben uns vorher noch nie Gedanken über den Erhalt der bedrohten Süßwassermuscheln der lokalen Flüsse gemacht und bekommen tatsächlich ein paar spannende Einblicke von dem Mitarbeiter dieser NGO.
Der Weg der Nat`Our Route 1 ist wunderschön, wirkt naturnah und führt immer am Wasser entlang bis zum Dreiländereck samt Europadenkmal. Der Rückweg auf der deutschen Seite ist eher funktional: Forstwirtschaftswege statt Naturpfade. Insgesamt dennoch eine sehr empfehlenswerte Tour!


Kultur an der Our: “The Family of Man”
Im Schloss Clervaux besuchen wir „The Family of Man“ – eine legendäre Fotoausstellung, 1955 von Edward Steichen für das MoMA (New York) kuratiert.
Edward Steichen (1879 – 1973) war gebürtiger Luxemburger. Als er knapp zwei Jahre alt war, emigrierten seine Eltern mit ihm in die USA, wo er seine Karriere als Fotograf und Kurator machte.
Beeindruckende Fotografien von mehr als 200 Künstlern und Künstlerinnen wurden zu den Themen Leben, Lieben, Familie, Arbeiten, Glauben … zusammengestellt. Klug ausgewählte Zitate zu einzelnen Bildern oder Bildgruppen rufen bei uns das ein oder andere Kopfnicken hervorrufen – sie sind absolut zeitgemäß und verlieren nicht an Aktualität.

„Behold this and always love it! It is very sacred, and you must treat it as such …“ SIOUX INDIAN
Im Originaldialog, aus dem das Zitat stammt, geht es um die Friedenspfeife. Bei den Fotos bezieht man den Text automatisch auf das Recht bzw. das Privileg wählen zu dürfen (also: Freiheit, Demokratie, Mitspracherecht, …).

„Fill the seats of justice with good men, not so absolute in goodness as to forget what human frailty is.“ Sir Thomas Noon Talfourd
Ein Plädoyer für Mitgefühl im Rechtssystem – bleibt einfach immer aktuell.
Steichens Erbe an seine Heimat
Nach einer internationalen Wanderausstellung ist ein Auszug der „Family of Man“-Installation dauerhaft in Clervaux zu sehen. Auf Wunsch von Edward Steichen ist sie nach seinem Tod an Luxemburg übergeben worden. Sie gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe.

Wir sind eher zufällig am Schloss vorbeigekommen, haben spontan reingeschaut – und wurden nachhaltig beeindruckt. Die Bilder, die das Leben vor Jahrzehnten dokumentiert haben, und die sorgfältig ausgewählten Zitate wirken nach.
Luxemburg wird uns wiedersehen. Nicht nur beim Durchfahren. Versprochen!
PS: In Luxemburg sind die öffentlichen Verkehrsmittel gratis!!! Für jeden! Das hätte ich auch gerne in Deutschland …
Habt ihr schöne oder spannende Ecken in diesem kleinen Land entdeckt? Mögt ihr sie mit uns teilen?





