Roadtrip: Zickzack durch Italien

5 Wochen Roadtrip durch Italien – von Nord bis Süd (inklusive Sizilien) und zurück (mit der Fähre nach Genua)

Roadtrip: Zickzack durch Italien. Hier nehmen wir euch mit auf unsere Reise durch acht italienische Regionen. Wir teilen unsere besten Tipps für Übernachtungen im Camper, lohnenswerte Unternehmungen, regionale Spezialitäten und kulinarische Highlights. Wir erzählen von schönen Momenten und von Menschen, denen wir unterwegs begegnet sind. Die Stationen (Übernachtungsorte und Regionen) sind im Text fett dargestellt, damit man sich auch als eiliger Leser schnell orientieren kann. Darüber hinaus findet ihr am Ende des Beitrags ein Fazit mit Zahlen, Daten und Fakten, also alles für die schnelle Übersicht.

Is it a car? Is it a camper?
No, it´s a philosophy!

Ende Oktober geht´s los auf diese Reise. Die letzten Wochen waren anstrengend; sowohl eine Mischung aus Anspannung und Stress als auch optimistischer Erwartung, weil wir tatsächlich ungefähr 6 Wochen auf Tour gehen. Erstmals in unserem Leben müssen wir uns nicht mit nur zwei oder drei Wochen begnügen. Das ist ein wahrgewordener Traum, kann ich euch sagen!

DU MUSST DEIN ÄNDERN LEBEN
(Rainer Maria Rilke)


Kurzübersicht:

Übernachtungsstopps: Rickenbach (Schwarzwald) – Neviano degli Arduini (Parma) – Montelupo Fiorentino (Florenz) – Sassoferrato – San Giuliano del Sannio – Caiazzo (nördlich von Neapel) – Sorrent – Licusati – Reggio di Calabria – Castiglione di Sicilia (Ätna) – Nicolosi (Ätna) – Noto – Sampieri – Enna – Campofelice di Roccella – Fähre (Palermo / Genua) – Finale Ligure – Freiburg (Breisgau) 

Start und Ziel: Solingen, Nähe Düsseldorf, Nordrhein-Westfalen.

Italienische Regionen: Emilia Romagna – Toskana – Marken – Abruzzen – Kampanien – Kalabrien – Sizilien – Ligurien


Von Kühen und Menschen

Tag 1, 28.10.23:

Aufbruch Richtung Süden: Am Nachmittag erreichen wir Rickenbach im Schwarzwald und legen auf dem Wiedenbachhof einen Zwischenstopp ein. Auf der Wiese neben dem Stall können sich einige Camper einrichten, denn Platz ist genug da. Auf dem Hof betreibt die Familie ökologische Viehzucht ohne Chemie und Gentechnik. Die Kälber werden hier nicht direkt nach der Geburt von ihren Müttern getrennt, sondern bleiben den ganzen Sommer zusammen mit den Mutterkühen auf den Weiden. Das gefällt uns! Das Fleisch soll entsprechend tolle Qualität haben, aber leider fehlt uns die Gelegenheit zum Probieren und so konnten wir uns nicht selbst überzeugen. 

Wir sind begeistert von der Ausstattung des Platzes und der Aussicht auf die Berge. Das absolute Highlight: Der Aufenthaltsraum! Wir waren so happy, abends bei der Kälte einen warmen Platz zum Essen zu haben. Und dann gab´s auch noch einen Kühlschrank mit Bier, Wein etc. (Prinzip: Kasse des Vertrauens).

Rainer, der Besitzer des Hofes, beeindruckt uns schon bei der Begrüßung mit seiner unglaublich sympathischen Ausstrahlung. Am Abend führen wir ein langes, intensives Gespräch. Nicht oberflächlich, sondern tief und mit viel „Sinn des Lebens“. Wir waren sprachlos über diese tolle Begegnung. 

Zeit, Zeit, Zeit, …

Tag 2, 29.10.23:

Am Morgen verabschieden wir uns etwas länger von Monika und Rainer. Schön, dass wir Zeit haben. Zeit für Begegnungen, für Gespräche, für Menschen. 

Unsere Route führt uns durch die Schweiz, bei einer Pause am Urnersee stellt sich echtes Urlaubsfeeling ein: See und Berge … immer schön! Trotzdem geben wir Gas – wir wollen heute noch unser erstes Italienziel bei Parma erreichen. 


Im kleinen Örtchen Neviano degli Arduini, in der Nähe von Parma, übernachten wir auf einem privaten Grundstück, also eigentlich mitten im Garten unserer Gastgeberin Rosa. Wir sind die einzigen Gäste. Am Abend kochen und sitzen wir bei herrlicher Kälte draußen. Rosa bringt uns netterweise ein gut gekühltes Bier zu unseren schlichten Nudeln. Wir sind seeeehr zufrieden! Nach dem Essen setzt sich Rosa mit einem „Vecchio Amaro del Capo“, einem kalabrischen Kräuterlikör, zu uns. Sie spricht nur Italienisch und da wir das nicht können, läuft jegliche Verständigung über den Smartphone-Übersetzer. Toll, dass das geht, aber auch etwas anstrengend. 

Rosa lädt uns für den nächsten Abend zum Essen ein. Sie ist Köchin, seit einem Jahr konnte sie aber nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, da sie einen heftigen Schicksalsschlag erlitten hat. Bald wird sie für eine zeitlang weggehen (nach Sizilien und Hawaii), um das Geschehene zu verarbeiten. Das Gespräch müssen wir abbrechen, da es für Rosa zu emotional wird.

Nebel, Nähe und Nachdenklichkeit

Tag 3, 30.10.23:

Das Wetter fühlt sich nicht nach Süden an. Es ist kühl und regnerisch. Bei einem Abstecher nach Parma schauen wir uns den romanischen Dom Santa Maria Assunta mit seinen faszinierenden Fresken an. Auf das achteckige  Baptisterium San Giovanni aus dem 13. Jahrhundert mit einer Fassade aus rosa Veroneser Marmor werfen wir nur einen Blick von außen (es kostet Eintritt). Parma ist ganz hübsch und so schlendern wir einfach durch die mittelalterlichen Straßen.


Am Nachmittag wandern wir in der Nebel-Landschaft von Neviano degli Arduini. Drinnen verkriechen geht nicht, so sind wir mit unserem Mini-Camper-Konzept nun mal draußen. Und das ist auch gut so, denn so entstehen ein paar richtig mystische Fotos.


Am Abend essen wir bei Rosa im Haus – italienische Spezialitäten wie Melanzane, Schinken, Käse und weitere Leckerbissen kommen auf den Tisch. Jetzt tut es richtig gut, in der warmen Wohnküche gemütlich bei einem Glas Rotwein zu sitzen. Der Kamin knistert und wir reden (bzw. tippen mit Hilfe von Google Translate) viel über das Leben an sich.

Es gibt keinen Link zur Unterkunft. Sie wird, nachdem wir dort waren, als „geschlossen“ ausgewiesen. Wir hoffen, Rosa geht es gut – wo immer sie gerade ist. 

Rauf und runter: durch die Hügel der Emilia Romagna

Tag 4, 31.10.23:

Für die Weiterfahrt Richtung Florenz haben wir von Rosa den Tipp bekommen, Nebenstraßen (über Castelnovo ne´ Monti und Pavullo Nel Frignano) zu nehmen und die hügelige, grüne Landschaft der Emilia Romagna zu genießen. Guter Tipp. Unser Frühstück nehmen wir spontan in Polinago vor einem unglaublich schönen landschaftlichen Panorama zu uns.


Wir wollen nicht mit dem Auto in den städtischen Trubel von Florenz geraten, checken daher im Nebenort Montelupo Fiorentino auf einem Reiterhof ein und campen zwischen Olivenbäumen. Im ersten Moment wirkt es idyllischer als es ist: Das gesamte Areal und die Sanitäranlagen sind ungepflegt, die Pferde wirken vernachlässigt (daher kein Empfehlungslink). Alles ist voller Pferdeäpfel, Schlammpfützen und matschigen Oliven, da niemand die Früchte erntet. Das Personal ist unfreundlich reserviert. Na ja, zumindest liegen wir strategisch gut, um einen Abstecher nach Florenz zu unternehmen. 

Tag 5, 1.11.23

Endlich wollen wir uns den David von Michelangelo im Original in der Galleria dell’Accademia ansehen. In der Schlange stehend registrieren wir, dass es mehr als zwei Stunden dauern wird, reinzukommen. Wir brechen ab und lassen uns lieber durch die Stadt treiben.

Florenz bietet viel Geschichte und Kunst, die Ponte Vecchio beispielsweise sieht im goldenen Sonnenlicht einfach toll aus, aber: für uns fühlt sich die Stadt zu voll an.

Wir fahren der Flut davon

Tag 6, 2.11.23:

Den Reiterhof lassen wir hinter uns. Am Nachmittag erreichen wir Sassoferrato in den Marken. Bei Agriturismo Antico Muro, direkt neben den Resten einer antiken römischen Mauer, stehen bereits ein paar Camper. Wegen Wetter (ihr wisst schon) wollen wir das Heckzelt aufbauen. Gerade fertig, zieht ein heftiger Sturm auf und wir können uns nur noch an unser Zelt klammern. Unsere Nachbarn eilen sofort zur Hilfe und mit sechs Leuten bekommen wir das flatternde Ding zügig in den Griff. 

Am Abend sitzen wir mit den anderen Campern gut geschützt im Restaurant des Agriturismo (Guido, der Besitzer, ist Koch) und sehen in den Nachrichten, dass Florenz nach heftigem Regen mit Überschwemmungen zu kämpfen hat. Wir sind also gerade noch rechtzeitig weitergezogen. Glück gehabt!

Marken: Italiens unbekannte Region

Tag 7, 3.11.23:

Die Landschaft in den Marken ist üppig grün und hügelig. Wir nutzen die Regenlücken zum Wandern. In Fabriano besuchen wir – eher aus Verzweiflung wegen des Wetters – das Papiermuseum. 

Im oberen Teil des Ortes Sassoferrato eröffnet sich ein toller Blick über die Landschaft. Es gibt Restaurants und ein paar nette Kneipen. Im Sommer ist es hier bestimmt ziemlich lebendig.

Abends essen wir wieder bei unserem Host – es ist nah, warm und gemütlich, draußen will man nicht lange sein – und kommen ins Gespräch mit einem deutschen Camper-Pärchen. Wieder dreht es sich um Sinnhaftigkeit und Zeit. Zeit des Lebens, Zeit für das Leben. Wir reden über Selbst- und Fremdbestimmtheit, Zufriedenheit, Gesundheit und … Geld. Geld – oft der Bestimmer, der uns in bestimmte Lebenssituationen drängt, uns dort festhält, vermeintlich Sicherheit suggeriert. Ein Gespräch, das zum Nachdenken anregt. Wir nehmen das mit auf unsere weitere Reise. 

Tag 8, 4.11.23:

Wir besuchen den Tempel von Valadier, eine Kirche, die in einer Grotte eingebaut ist. Sieht aus wie direkt aus dem Felsen geschlagen. Ein architektonisches Meisterwerk – nicht nur wegen seiner achteckigen Form, sondern auch wegen der Lage inmitten der riesigen Felsenwand. Wenn man dort steht, fühlt es sich an, als ob der Stein selbst die Kirche beschützen würde. Unbedingt sehenswert, wenn man Lust auf ein bisschen „Wunder der Architektur“ hat!

Resilient durch Wind und Wetter

Tag 9, 5. November 2023:

Das Wetter schiebt uns an die Adria – diese Richtung hatten wir ursprünglich nicht eingeplant. Auf dieser Reise werden wir noch oft vom Wetter geleitet. Pläne sind schließlich dazu da, dass man sie ändert, oder?

Wir sind in den Abruzzen, und die Sonne fährt diesmal mit. Als wir am Strand von San Vito Chietino ankommen, fällt der Blick auf die Trabocchi – diese faszinierenden, historischen Fischerbauten. Sie stehen wie auf Stelzen über dem Meer, von Seilen und Balken gehalten, fragil, fast ein bisschen zerbrechlich, aber gleichzeitig unglaublich widerstandsfähig. Diese Pfahlbauten sind wahre Meisterwerke mittelalterlicher Bautechnik – ein perfektes Beispiel dafür, wie Menschen mit den Kräften der Natur umzugehen wussten: Sie sind beweglich und trotzen so den Einflüssen von Meer und Wetter. Man muss sich also nicht breit und schwer aufstellen können, um resilient zu sein. Früher warfen die Fischer von diesen schwankenden Hochständen aus ihre Netze aus – heute befinden sich in einigen von ihnen Restaurants.


Abends kommen wir an im kleinen San Giuliano del Sannio, wo wir uns bei Scuderie del Peschio anmelden – einer ländlichen Herberge mit Restaurant und ein paar Stellplätzen für Wohnmobile. 

Zu Tisch mit AC/DC, Deep Purple & Co.

Klar, wir essen am Abend hier. Die Musik passt – es läuft richtig guter Rock, und man fühlt sich sofort wohl. Es gibt gute, traditionell-italienische Küche, und nach dem Essen setzt sich der Besitzer noch mit einem Absacker zu uns. Wir quatschen über dies & das und bekommen auch hier sofort das Gefühl, nicht fremd zu sein. Was ist denn bloß los auf dieser Reise???

Ab morgen ist das Restaurant leider zu (Winterpause), aber – und das finden wir richtig cool – wir dürfen trotzdem auf dem Hof stehenbleiben.

Am Ende des Abends fällt uns wieder einmal auf: Die Reise führt uns nicht nur zu schönen Orten, sondern vor allem zu Momenten und den Menschen, die diese Orte lebendig machen.

Chillige, antike Ruinen: Sepino

Tag 10, 6.11.23:

Heute steht mal wieder etwas Bewegung auf dem Plan: Wandern rund um den Lago del Matese. Und weil ein bisschen Kultur nicht schaden kann, geht’s auch zur Römerstadt in Sepino. Ich bin ja nicht der größte Fan von „alten Steinhaufen“, aber diese Stätte ist tatsächlich sehenswert. Man merkt, dass hier viel Arbeit in die Erhaltung gesteckt wird. Sobald man die Grundrisse, Säulen und teils rekonstruierten Gebäude mit ihren erklärenden Tafeln erkundet, bekommt man einen klaren Eindruck von der Struktur der Siedlung, die schon etwa vier Jahrhunderte vor Christus gegründet wurde. Die Atmosphäre ist irgendwie entspannt – keine Ahnung warum. Manche Orte strahlen einfach diese ganz spezielle Ruhe aus.

Unterwegs auf den Spuren von Netflix’ „Chef’s Table“

Tag 11, 7.11.23:

Nächstes Ziel: Kampanien, weiter südlich, an der Westküste. Genauer gesagt, ein kleines Dorf oberhalb von Neapel – und noch genauer: Caiazzo! Dort soll es die beste Pizza Italiens geben – das hat Oli in der Netflix-Doku „Chef’s Table“ erfahren. Als Pizza-Fans sind wir natürlich sofort dabei … Tisch ist reserviert! Vorher suchen wir noch ein Schlafplätzchen. Wir erkunden die Gegend rund um Caiazzo und entdecken einen idyllischen Spot oberhalb, gleich neben dem Friedhof. Ruhig und friedlich – noch. Denn bald zieht ein Gewitter auf, das so heftig ist, dass uns sogar in unserem „faradayschen Käfig“ mulmig zumute ist. Wir hoffen, die Technik hält durch bei dem Wasserschwall.

Schließlich verlässt uns der Optimismus und wir fahren runter ins Dorf und entscheiden uns, auf dem Marktplatz zu übernachten. Relativ ruhig und fußläufig zur Pizzeria – perfekt. Kleine Einschränkung: ab 7 Uhr morgens beginnt der Marktaufbau und wir müssen uns bis dahin verdrückt haben. Aber das passt schon.

Bei Pepe in Grani ist die Hölle los! Die Leute stehen Schlange. Hier wurde die Marketingmaschine (vermutlich durch Netflix?) angeschmissen. Das Lokal ist voll, die Bedienung professionell, dafür eher unpersönlich, die diversen Pizzen im Menü „Degustazione Scoperta“ (€45/Person) der absolute Hammer! Beispielsweise die frittierte Pizza – hört sich seltsam an, schmeckt aber unglaublich lecker, knusprig und ist typisch italienisch. Wussten wir nicht, ist aber so! Basta!


Satt und zufrieden schlendern wir noch durch die regennassen Gassen und schlüpfen unbemerkt in unseren Camper. Morgen klingelt der Wecker früh – wir schlafen jetzt.


Tag 12, 8.11.23:

Wir sind gezwungenermaßen die frühen Vögel (ohne Wurm) und machen uns auf den Weg zum Golf von Neapel – mit einem tollen Blick aufs Meer (seufz!). Nach kurzer Suche landen wir auf dem Platz Camping I Pini und besuchen das wunderschöne Sorrent. Und wir sind nicht allein: Viele Hunderte von Kreuzfahrt-Touristen schlängeln sich durch den Ort, bis sich der Großteil der Menschentraube am Nachmittag wieder auf kleine Boote verteilt, die sie zurück zu ihren „Wohnblocks auf See“ verfrachten.

Für „die Großen“ verboten: die enge Küstenstraße von Amalfi

Tag 13, 9.11.23:

Amalfi… allein das Wort zergeht einem doch wie eine verlockende Süßspeise auf der Zunge, oder? Heute geht´s von Sorrent aus die bekannte Küstenstraße entlang. Etwas irritiert bemerken wir gleich am Anfang die Verbotsschilder für Wohnmobile – aber unser Mini-Camper gilt als PKW. Puh, Glück gehabt! Also dürfen wir uns durch die engen, kurvigen Straßen schlängeln und die Augen schließen, wenn uns ein Bus entgegenkommt. Horror! 

Aber die Aussicht entschädigt: Die Küste, mit ihren kleinen Dörfchen – die Häuser wirken wie an die Felsen getupft –, und das tiefblaue Meer sind einfach atemberaubend. Alle Klischees über diese Gegend werden hier perfekt bedient. Dieses Pittoreske hat wohl seinen Preis: Die Straßen sind voll, die Orte voller Menschen und es scheint sich nicht nur um Einheimische zu handeln.

Die Serpentinenstraße hat viele Haltebuchten, in denen Händler Früchte, Gemüse und Erfrischungen verkaufen. Seit Wochen träumen wir von einer „Granita“ – dieser erfrischenden Sorbet-Variante, für die Italien bekannt ist. Wir können nicht widerstehen und der Geschmack ist wie Urlaub auf der Zunge: ein intensives, leicht süßliches Limonenaroma. Allerdings: Die Preise sind hier so gesalzen wie das Meerwasser! Positano, eins der schönsten Dörfer hier, gehört zu den teuersten Urlaubszielen der gesamten Mittelmeerregion – noch ein Grund, hier nur durchzureisen.



Das Wetter ist perfekt, und während wir an den Dörfern vorbeidüsen, knallt die Sonne. Unser Tagesziel liegt noch ca. 200 Kilometer weiter südlich. Wir lassen die Amalfiküste hinter uns und machen uns auf den Weg in die (leider) wolkenverhangenen Weinberge von Licusati. Die L’azienda agricola DonnaClara bietet ein paar Stellplätze für kleine Camper – ideal für uns!

Tag 14, 10.11.23:

Morgens um acht Uhr möchten wir nicht raus aus unserem Camper, weil es – ta-daa! – mal wieder regnet! Bei nur 13 Grad gibt es ein schnelles Frühstück im Stehen. Wir kaufen noch ein paar Flaschen Wein bei unserem Gastgeber und dann machen wir uns auf den Weg.

It´s raining cats and dogs!

Wir fahren entlang der Küste, steigen zwischendurch aus und mit dem Regen ist es dann irgendwie doch total schön. Es fühlt sich nach Natur an. Das tosende Meer trägt mit seinen Wellen eine unglaubliche Wärme an den Strand. Merkwürdig …  



Wir versuchen ab nachmittags, Strecke zu machen und bis Calabrien zu kommen. Schaffen wir auch! Wir sind nun tief im Süden und der November outet sich auch hier als regensichere Zeit. Egal – wir nutzen die Wolkenlücken am Himmel, um noch eine kleine Wandertour zu unternehmen. Unseren heutigen Platz haben wir in Reggio Calabria bei Agriturismo Rudì gefunden. Sehr cool: Die Mutter unseres Hosts kocht am Abend für Gäste. Wir sitzen entspannt im Warmen, Trockenen und genießen drei Gänge, hauptsächlich mit frischen Zutaten aus dem eigenen riesengroßen Garten. Zuuuuufriiiiieeeeden!!! Zum Abschluss ein vom Vater doppelt gebrannter Grappa aus Bergamotte … salute e buonanotte! 


Travel. Because money returns. Time does not.

Tag 15, 11.11.23:

Jaaaa, es ist Tag 15 ist es und wir denken nicht im Entferntesten an die Rückreise! Wir haben Zeit. Ist das nicht wahrer Luxus? 

Heute erkunden wir zu Fuß die Gegend und machen Bekanntschaft mit etwas, über das wir bei der Planung der Italien-Reise einiges gelesen haben: Müll. Müll gibt es bekanntlich überall (nicht nur in Italien), aber jetzt bekommt das Thema eine andere Dimension. Denn wilde Müllkippen, die man aus weiter Entfernung mit dem bloßen Auge in der Landschaft entdecken kann, sieht man nicht überall. Wir sprechen mit unserem Gastgeber darüber und er nennt mehrere mutmaßliche Gründe:

· Unregistrierte Bewohner: Viele Menschen leben hier ohne offiziellen Wohnsitz, deshalb zahlen sie keine Gebühren für die Müllentsorgung. Stattdessen wird der Müll einfach in die Natur entsorgt.

· Kosten für die Entsorgung: Wenn jemand auf seinem Grundstück eine illegale Müllkippe entdeckt und sie meldet, bleibt er oft auf den hohen Kosten der Beseitigung sitzen, weil die Behörden in vielen Fällen nicht eingreifen oder die Entsorgung auf den Grundstückseigentümer übertragen wird.

· Die Mafia: In einigen Gegenden sollen kriminelle Organisationen, darunter auch die Mafia, in die illegale Müllentsorgung verwickelt sein. Sie betreiben illegale Müllentsorgungsgeschäfte. Sie verlangen von kleinen Unternehmen oder Privatpersonen, dass sie ihren Abfall zu niedrigen Preisen an diese Organisationen übergeben. Darum wird der Müll also häufig in abgelegenen Gebieten abgeladen, statt ihn ordnungsgemäß zu entsorgen.

Ob etwas davon stimmt, können wir nicht beurteilen. 

Ganz unten angekommen: Sizilien

Tag 16, 12.11.23:

Vom Festland in Villa San Giovanni setzen wir über nach Messina (Sizilien). Das ist nur eine kurze Fährfahrt.


Wir besuchen Taormina – einen Sehnsuchtsort … für viele, viele, viele Touristen (ca. 1,3 Millionen Besucher pro Jahr)! Kreuzfahrtschiffe speien morgens Hunderte von Menschen aus, um sie am Nachmittag wieder “aufzusaugen“. Der Ort ist wirklich pittoresk, aber wer will das schon mit all seinen Nachteilen? Zu voll, zu viele (Edel-)Boutiquen … na ja, wir sind auch da und somit selbst Teil des Problems. 

Weiter geht´s zum Ätna. Wir haben einen Platz nördlich des Vulkans in Castiglione di Sicilia bei Etna Wine Agriturismo ausgesucht. Wir sind die einzigen Gäste und alles sieht nach Winterpause aus.

Über unsere Freunde und Familie erfahren wir, dass der Ätna gerade sehr aktiv ist. Wir sehen davon nichts und denken „FAKE NEWS“!?! Später entdecken wir am Berg einige merkwürdige Wolkenbildungen. Vielleicht doch vulkanische Gase oder Wasserdampf??? Abends lesen wir im Internet, dass heute tatsächlich ein Ausbruch stattgefunden hat. Wir „stehen daneben“ und bekommen nichts mit? Unglaublich!

Tag 17, 13.11.23:

Müll passiert – aber wohin damit?

Vormittags wechseln wir auf den südlich vom Ätna gelegenen Mons Gibel Camping Park in Nicolosi, der auch jetzt im November noch gut besucht ist.

Später wandern wir von hier los und machen nähere Bekanntschaft mit dem sizilianischen Müllproblem: Wir sind fassungslos, was auf den Wanderwegen, auf den Grünflächen, in WIRKLICH JEDER Parkbucht entsorgt wird. Es reicht von Hausmüll und Bauschutt über Autoreifen bis zu Möbeln und Waschmaschinen. Erschreckend!

Schaukeln über Lava und Steine: mit dem Unimog zum Ätna

Tag 18, 14.11.23:

Für uns geht´s heute hoch zum höchsten aktiven Vulkan Europas. Bis zu einem kostenpflichtigen Parkplatz kann man mit dem Auto hochfahren. Von hier kommt man entweder zu Fuß, mit einem Squad oder mit der Kombi Kleinbus & Unimog (inklusive Führer) nach oben. Normalerweise fährt wohl auch eine Gondel, aber die ist heute außer Betrieb. 

Wir wählen die Kombi Kleinbus & Unimog für ca. 70 € pro Person. Nicht günstig, aber wir können es auf jeden Fall empfehlen. Ein Vulkan ist eine staubige Angelegenheit, die wir nicht zu Fuß angehen wollen. So schaukeln wir zuerst per Bus, dann mit dem Unimog die holprige Piste nach oben.

Erst gestern ist Lava geflossen, die Ströme äußerlich bereits verkrustet, aber unter der Oberfläche noch glühend rot und zähflüssig . Aufgrund dieser Aktivitäten dürfen wir auch nicht bis zur höchstgelegenen Besucherstelle, sondern müssen weiter unterhalb bleiben. 

Unten heiß, oben kalt!

Die Landschaft wirkt sehr bizarr, wie auf einem anderen Planeten. Absolut beeindruckend. Der Ausblick von hier oben ist atemberaubend. Der Wind weht heftig und kühl (unbedingt entsprechend anziehen!), aber die erkaltende Lava wärmt von unten. Unser Guide stochert in den Lavaadern und zeigt uns die glühende Magma. Irre! Wer kann, sollte den Ausflug auf den Ätna machen. 


Auf der Rückfahrt zum Campingplatz halten wir noch an einem Wanderweg und gehen eine schöne Tour durch die abwechslungsreiche Landschaft (Bäume, Sträucher, Gräser, Farn, … alles in tollen herbstlichen Farben). 



Tag 19, 15.11.23:

Siracusa, Weltkulturerbe seit 2005, besuchen wir auf der Fahrt Richtung Süden. Wir bewegen uns immer an der östlichen Küste von Sizilien entlang. Es ist knallblauer Himmel, dementsprechend warm (endlich mal!) und wir schauen uns die Altstadt auf Ortygia, der kleinen vorgelagerten Insel von Siracusa, an. Wunderschöne alte Bauten, zum Beispiel der Dom von Syrakus.

Mittags machen wir Pause im Lokal Fratelli Burgio. Die Bedienung ist superfreundlich, der empfohlene Wein so gut, dass wir zwei davon trinken. Na ja, es ist Urlaub …


Wer fällt hier aus der Rolle?

In der Neustadt entdecken wir noch die außergewöhnliche Kirche Madonnina delle Lacrime, die architektonisch aus der Rolle fällt: Total modern aus Spannbeton gebaut ist sie ein ziemlicher Gegensatz zu den alten Gebäuden, die man sonst findet. Leider konnten wir keinen Blick ins Innere werfen – die Kirche ist abgeschlossen. 

Nachmittags suchen wir unsere nächste Übernachtungsstelle. Ländlich gelegen, südlich der kleinen Stadt Noto, finden wir einen Platz. Ganz leer – es ist nur ein einziger weiterer Camper auf dem großen Areal -, aber mit sehr, sehr, sehr vielen Katzen. Zuerst für uns kein Problem, aber dann merken wir, dass wir NICHTS geöffnet lassen dürfen, weil die kleinen Tiger überall reinspringen und -krabbeln. Beim Kochen können wir nichts abstellen, selbst auf den Tisch springen sie ratz-fatz und versuchen, Beute zu machen. Das nervt! Wir beschließen, am nächsten Tag einen anderen Platz zu suchen. 

Bella Italia: verliebt in Noto

Tag 20 bis 22, 16.-18.11.23:

Noto wird auf diesem Roadtrip zu unserem Lieblingsort. Mit etwa 24.000 Einwohnern ist die Stadt angenehm überschaubar, UNESCO-Weltkulturerbe und sie besticht durch ihre wunderschönen spätbarocken Bauten. Wir steuern einen strategisch gut gelegenen Platz bei der strengen, aber sehr lustigen Maria unterhalb von Noto an – „Noto Parking“ (leider keine Verlinkung möglich) liegt nur zehn Minuten vom Stadtzentrum entfernt und: Wir stehen unter Zitronenbäumen – wie das riecht!


Der Himmel ist königsblau, die Gebäude strahlen kontrastreich in warmem Beige. Sehr schön „urlaubig“. Noto haben wir (auch) wegen einer Netflix-Doku auf dem Plan: Im Caffè Sicilia soll es das allerbeste Granita Siziliens – nein, ganz Italiens; ach was, weltweit – geben. Nach sizilianischer Tradition wird dieses Sorbet-artige Eis im Sommer bereits zum Frühstück in Begleitung eines fluffigen Brioches gegessen. So startet man erfrischt in die heiße Mittagszeit. Wir wollten herausfinden, welcher Granita-Typ wir sind: Zitrone oder Mandel? Denn das ist die „alles-entscheidende“ Frage in der Doku …

Und dann die Enttäuschung: Ferien im Caffè Sicilia! Es macht erst kurz vor Weihnachten wieder auf. Die ganze Reise umsonst! Schluchz! Na gut, nicht ganz. Aber Oli ist trotzdem extremst enttäuscht.

Mandel? Zitrone? Pistazie? … welcher Granita-Typ bist du?

Zum Trost gibt’s Alternativen. Wir probieren uns durch verschiedene Cafés und Granita-Sorten und können das Costanzo in Noto empfehlen. Am Ende stelle ich fest: Ich bin der Pistazien-Granita-Typ. Und Oli auch. Oder bin ich der Brioche-Typ? Ich glaube, ja!


Nördlich von Noto machen wir eine fantastische Schluchtenwanderung im Riserva Naturale Cavagrande. Der Einstieg ist in der Nähe des Lokals Cava Grande bei einem Bezahl-Parkplatz. 

Rund um Noto gibt’s einiges zu entdecken: die alte Stadt Noto Antica, die 1693 von einem Erdbeben zerstört wurde, oder schöne Strände – Lido Camomilla finden wir richtig chillig.


Tag 23, 19.11.23:

Nach drei Nächten in Noto zieht es uns weiter in den südöstlichsten Zipfel von Sizilien. Obst- und Gemüseanbau werden adhoc entromantisiert: Riesige Flächen stehen voller Gewächshäuser. Das ist aber nicht das, was uns nicht gefällt. Es sind die vielen Fässer, die man daneben stehen sieht, die Folien, die verwehen, zerfetzen und überall in der Landschaft herumliegen. Wir fassen uns an die eigene Nase und nehmen uns vor, möglichst noch mehr auf saisonales (und regionales) Obst und Gemüse zu setzen. 

In Sampieri finden wir den Campingplatz La Spiaggetta. Vor uns liegt das Meer, hinter uns die via Agira, eine stark befahrene Straße. Der Platz ist in Ordnung, dennoch wissen wir, hier bleiben wir nur eine Nacht. 

Tag 24, 20.11.23:

Ragusa ist eine Besichtigung wert. Sehr, sehr hübsches, typisch italienisches Dorf (es lebe das Klischee!) mit kleinen besonderen Läden (z. B. der Slow Food Laden Salumeria Barocco mit typisch sizilianischem Käse).

Ständiger Begleiter auf der Weiterfahrt ins Innere Siziliens: Müll, Müll, Müll. 

In Enna finden wir einen ländlich gelegenen kleinen Übernachtungsplatz: Agricampeggio Villa Gerace. Der Besitzer der Acienda richtet sein Grundstück sehr engagiert für Camper her, bietet dabei zusätzlich zwei neu erbaute Ferienhäuser an. 

Wir nutzen die Möglichkeit, am Abend im dazugehörigen Restaurant zu essen. Es ist lecker und lustig, da wir noch ein Pärchen kennenlernen, die ebenfalls campen. Sie sind Deutsche, leben allerdings seit vielen Jahren in der Toskana. 

Bikinis: Trend aus dem Römischen Reich?

Tag 26, 22.11.23:

Gestern hatten wir einen Krankentag und leider hat die Nacht nur eine leichte Verbesserung gebracht. Dazu ist es kühl und regnerisch. So entscheiden wir, in eins der Ferienhäuser umzuziehen. Aufwärmen und auskurieren ist jetzt das Wichtigste. Tut ganz gut, so eine eigene Dusche und eine Heizung. Ach, wir sind doch alle Mimis und verwöhnt von unserem sonst so selbstverständlichen Alltagskomfort. 


Am Mittag geht es besser, und wir können einen Ausflug unternehmen. Ganz in der Nähe unseres Platzes liegt die zum Teil überdachte Ausgrabungsstätte der Villa Romana del Casale. Berühmt ist die Stätte für ihre beeindruckend gut erhaltenen Bodenmosaike – sehr bekannt sind wohl die Bikini-Mädchen … Die verfallenen Gebäude wurden partiell rekonstruiert, sodass der Besuch der Villa tatsächlich interessant ist (ihr wisst, ich bewege mich nicht sooo gerne zwischen diesen Ruinen). Seit 1997 ist sie Teil des UNESCO-Weltkulturerbes. 

Tag 27, 23.11.23:

Heute ist nochmal Geschichte angesagt: Wir besuchen die archälogische Stätte von Agrigento. Die zum Teil noch sehr gut erhaltenen alten Säulen zeigen, wie riesig-imposant die griechischen Tempel der Antike gewesen sind. Ich hätte gerne mal wieder etwas Modernes aus der Gegenwart (Street Art oder so), aber dafür bin ich hier wohl nicht richtig. 


Auf der Fahrt zum Strand Lido Rossello klart es auf und es entsteht ein toller Wolkenhimmel am Meer. Entschädigung für die „alten Steine“!


Tag 28, 24.11.23:

Ortswechsel: Wir verlassen das Ferienhaus in Enna und finden kaum noch geöffnete Campingplätze. Einer der Wenigen liegt in Campofelice di Roccella, im Norden von Sizilien. Camping Roccella Mare liegt direkt am Meer … mit richtig viel Wind. Wir verkrümeln uns in eine der hinteren Reihen und stehen lieber geschützt.

So langsam planen wir unsere Rückreise. In den letzten Wochen haben wir abgewogen, was besser ist: zurück auf dem Landweg oder mit der Fähre bis Genua? Wir entscheiden uns für die Fähre. Sie ist nicht ganz günstig, aber wenn man Sprit- und weitere Übernachtungskosten addiert, erscheint uns die Fähre tatsächlich etwas vorteilhafter. 

Oli bucht uns eine Schlafkabine, da wir über Nacht unterwegs sind. Soviel Komfort auf einem Schiff muss dann doch sein. In drei Tagen geht es von Palermo aus los. 

Tag 29, 25.11.23:

Das kleine Dorf Cefalù liegt ganz in der Nähe unseres Platzes. Touristisch, aber sehenswert. Die engen Gassen sind gesäumt von zahlreichen kleinen Läden und es gibt einige Lokale, also findet man auch bei einem Schauer schnell einen Unterschlupf.


Unser genialster Einkauf der gesamten Reise: Der ortsnahe Discounter bietet Heiz-Unterbetten zum Sonderpreis von 19 Euro an. Oli ist so vorausschauend und kauft eins. Ich frage ihn, was er damit vorhat. Wir sind auf Sizilien und kaufen ein Heiz-Unterbett? Sind wir verrückt?

Tag 30, 26.11.23

Es ist Sonntag, unser letzter Tag auf Sizilien. Das Camper-Pärchen Dani und Erich, welches wir in Enna kennengelernt und hier auf dem Platz wiedergetroffen haben, hat für uns vier eine Mittagessen-Reservierung im CASALE Drinzi ganz in der Nähe, im malerischen Bergdorf Collesano, organisiert.

Der Laden ist rappelvoll. Sonntags gibt´s keine Auswahl, sondern Menü für alle, weil es so eben am einfachsten geht. Antipasti, zwei Hauptgänge und ein Dessert, dazu sizilianischer Wein und Wasser. Und das alles zu einem wirklich guten Preis. Wir sind satt und zufrieden!

Time to say goodbye, Sicily

Tag 31, 27.11.23:

Bereits am Mittag fahren wir nach Palermo, wo die Fähre am Abend ablegt, und denken: „Der Verkehr hier ist doch ganz entspannt – was machen die Leute eigentlich immer so ein Drama?“ Wir schauen uns noch ein paar Stunden um, machen Mittagspause, sodass wir am frühen Abend pünktlich am Hafen sind. Und dann wissen wir, was mit dem „Drama“ gemeint ist: Aus zwei Fahrspuren werden plötzlich fünf (oder nach Bedarf gerne mehr), folglich drängelt sich alles wild aneinander vorbei. Immer dazwischen: Vespas. Beim Fahren bekomme ich fast einen Nervenzusammenbruch. Zum Glück haben wir genug Zeit eingeplant und erreichen das Terminal einigermaßen pünktlich. Dachten wir. Dann kommt das Durcheinander: Online-Tickets? Nö, man muss sich zusätzlich noch ein Papier in einem der Büros abholen. Während wir dort parken, kommt eine Hafen-Mitarbeiterin und misst JEDE Seite unseres Autos aus. Hääää??? 

Wir kurven über das Hafengelände, um die richtige Fähre zu finden – das ist nicht ganz einfach und wir sind mittlerweile ziemlich abgenervt.

Kein Käpt´ns Dinner

Endlich an Bord haben wir den Eindruck, auf einem „Seelenverkäufer“ gelandet zu sein. Das Schiff wirkt ziemlich heruntergekommen, und unsere Kabine habe ich mir irgendwie auch etwas „gepflegter“ vorgestellt. Egal, wir sind Camper!

Der Seegang ist ziemlich heftig, und wir drücken die Daumen, dass das Schiff seetüchtig bleibt und nicht vor lauter Rost auseinanderbricht.

Tag 32, 28.11.23:

So eine lange Überfahrt (Plan: ca. 24 Stunden) ist langweilig. Wir vertreiben uns die Zeit mit „gegen den Wind lehnen“, Podcasts hören und herumhängen.


Für unsere abendliche Ankunft in Genua hatten wir versucht, einen Übernachtungsplatz für uns und unseren „Dicken“ in der Stadt zu finden – leider vergeblich. Keine (geöffneten) Campingplätze, sondern nur Parkplätze, von denen in den Rezensionen dringend abgeraten wird: zu teuer, zu unsicher. Und die bezahlbaren Hotels bieten meist keine Parkmöglichkeit an. Also haben wir uns für einen Platz außerhalb in Finale Ligure entschieden, in Orco Feglino-Boragni, wo wir spätestens um 19:30 Uhr einchecken sollen.

Leider hat die Fähre etwa eine Stunde Verspätung. Als wir dann endlich vom Schiff runter sind, stehen wir schon unter Zeitdruck. Und dann das noch: Unser Auto ist komplett von einer Salzkruste überzogen! Wir kippen unser gutes Mineralwasser über die Frontscheibe, damit Oli beim Fahren überhaupt noch etwas sehen kann. Leider müssen wir das alle paar Kilometer wiederholen, weil das Salz überall ist: vorne, auf den Seitenspiegeln, an den Seitenfenstern …

Jetzt wird´s muckelig!

Erst nach 22 Uhr kommen wir auf dem Platz Le Terrazze an, die nette Mitarbeiterin hat extra auf uns gewartet. Wir sind völlig fertig, gönnen uns ein Gläschen Wein und – tadaaa! – schließen das neu erworbene Heiz-Unterbett an den Strom an. Das ist tatsächlich das allererste mal, dass wir eine Steckdose auf einem Campingplatz benutzen! Bei Außentemperaturen von nur zwei Grad dürfen wir in ein wohlig warmes Bettchen schlüpfen. Das ist purer Luxus! Oli hat einfach die besten Ideen – zum Beispiel im sizilianischen Discounter Heiz-Unterbetten zu kaufen.


Reich ist man nicht, weil man viel hat, sondern weil man wenig braucht 

Tag 33, 29.11.23:

Strahlender Sonnenschein und unser Auto glitzert, als wäre es mit Sternenstaub gepudert. Die Salzkruste hält! Heute entdecken wir die Gegend um uns herum – ein echtes Kletterparadies (nicht für uns, aber für andere). Vom Campingplatz aus machen wir eine Wanderung und sind begeistert von diesem Teil Liguriens. Am Abend treffen wir uns mit einem Bekannten in Imperia. Andrea, Italiener und Koch, nimmt uns mit in eins seiner Lieblingsrestaurants: die Enoteca Grappolo Imperia (leider keine Homepage zum Verlinken vorhanden). Sehr gutes Essen, sehr guter Wein, sehr nette Betreiber!


Tag 34, 30.11.23:

Der nächtliche Regen hat unseren Camper vom Salz befreit – freie Fahrt bis in den Schwarzwald! Im gesamten Süden Europas sind Schnee- und Eisglätte vorhergesagt. Wir fahren nicht wie geplant über Südfrankreich und die Provence zurück nach Deutschland, sondern durch die Schweiz, weil wir den Schweizern eher zutrauen, mit Winter umgehen zu können.

Am Nachmittag erreichen wir einen ganzjährig geöffneten Platz – Breisgau Camping am Silbersee. Zum Abschluss unserer Reise gönnen wir uns am Abend Schwarzwald-Tapas im Restaurant Das Blümchen. Tolles Konzept! Wir finden es lecker, gemütlich und sehr freundlich.

Und jetzt noch Winter!

Tag 35, 1.12.23:

Es hat geschneit! Irgendwie schön, dass wir morgens hier draußen stehen und uns an unserem heißen Kaffee freuen können, als ob es nichts Besseres gäbe.

Einen letzten Abstecher machen wir noch zum Weingut Köbelin. Wir kennen diesen Winzer noch nicht, wir machen also eine kleine Weinprobe, sind begeistert und bestellen ein paar edle Tropfen.

Wir freuen uns auf Zuhause

Dieser „Roadtrip: Zickzack durch Italien“ ist die bisher schönste Reise meines Lebens. Nicht nur, weil sie der längste Trip, sondern auch weil sie für den Einschnitt in unser bisheriges (Berufs-)Leben steht. Und die Tour mit den ehrlichsten Begegnungen ist.

Diese Impulse nehmen wir mit nach Hause. Und sie werden uns begleiten auf dem Weg, der vor uns liegt: Was ist uns wirklich wichtig? Welche Herausforderung (nicht nur, aber auch jobtechnisch) passt dazu? Was wollen wir noch anfangen mit unserer Zeit?


Bewertung zu unserem Roadtrip Italien

Land 4%
Leute 10%

Wir hatten die besten Begegnungen – mit Einheimischen und Reisenden.

Genuss 9%

Italien ist DIE Küche für uns! Aber im November hat vieles geschlossen, daher Punktabzug.


Fazit: Zahlen/Daten/Fakten

34 Übernachtungen: 32 x im Camper (+ 2 x im Ferienhaus).

Unterwegs waren wir knapp 5 Wochen, vom 28.10.2023 bis zum 1.12.2023.
Fahrtstrecke : ca. 5.000 km.

Kosten insgesamt: ca. 122€/Tag.
Wir reisen reduziert, kochen gerne selbst, lieben aber auch Lokale, wenn sie uns kulinarische Erlebnisse bieten. Diese können schlicht (und hoffentlich gut) oder auch mal besonders und außergewöhnlich (manchmal etwas teurer) sein.

Wir sind keine Sparfüchse, sondern uns geht es vielmehr um eine andere Art des Reisens. Das bedeutet, dass wir weniger Geld für Klamotten, Shopping und Wellness ausgeben, dafür aber umso Mehr Wert auf zuverlässiges (Camping-)Equipment sowie kulturelle Erlebnisse (Museen, Ausstellungen, …) legen. Außerdem gehört für uns auch gutes Essen und Trinken dazu – und deshalb packen wir uns gerne etwas davon für zu Hause ein. 

Konkrete Kosten für Campingplätze, Eintritte oder ähnliches geben wir hier nicht an, weil wir die Reise Ende 2023 unternommen haben und sich einiges geändert haben könnte. 

Das Wildcampen und Freistehen ist in Italien verboten. Der November scheint in ganz Italien der regenreichste Monat zu sein, viele Campingplätze und Lokale sind geschlossen, bevor der touristisch aktivere Dezember losgeht.

Unsere wichtigsten Ziele hatten wir vorher gesetzt, sind dann aber aufgrund der Wetterkapriolen Zickzack durch das Land gefahren. Flexibilität und Unabhängigkeit beim Campen zahlen sich aus!

Fast alle Stellmöglichkeiten haben wir über die App Park4Night gefunden.

Alle Tipps, Links, Empfehlungen erfolgen unentgeltlich. Wir haben weder Werbe- noch Kooperationspartner.

Alle Fotos sind von uns erstellt.

Habt ihr Tipps, Ideen, freundliche Kritik, Fragen oder Anregungen? Immer her damit! Wir freuen uns über Austausch mit euch!

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