Standheizung? Fehlanzeige!
Wintercamping im Mini-Camper und das soll ohne Heizung gehen?
Wir werden oft gefragt: „Was macht ihr, wenn es kalt ist?“
Dann fragen wir zurück: „Was ist denn für dich kalt?“
Temperaturempfinden ist sehr individuell. Ihr kennt das bestimmt: Ihr sitzt vor eurem Auto, habt einen dicken Pulli an (Mann) und liebäugelt mit der Fleecedecke für die Beine – und der Camping-Nachbar gegenüber sitzt immer noch mit Tanktop und Shorts rum.
Wir haben immer gesagt: Ein Mini-Camper ist ein Schönwetter-Konzept!
Im Auto gibt es keine Rückzugsmöglichkeiten – außer dem Bett sowie dem Fahrer- und Beifahrersitz. Aber diese Optionen sind keine Dauerlösung. Man übersteht mal einen Schauer, kann eine Stunde lesen oder ein Nickerchen machen – aber mehr geht nicht. Tagsüber sind wir entweder unterwegs oder draußen. Unser Heckzelt hält Wind gut ab – aber keinen Sturm. Einen Tag Regen übersteht man auch.
Spätherbst und Winter haben noch einen weiteren Nachteil: wenig Tageslicht. In Sizilien waren es im Dezember tagsüber 18 °C, nachts ca. 9 °C, aber ab 18 Uhr war es dunkel. In Italien ist das kein Problem, weil es genug Lokale, Cafés und Restaurants gibt. Infos zur Tageslichtdauer gibts hier.
Aber in Norwegen – mit der geringen Dichte an Lokalitäten – ist der Winter keine Mini-Camper-Destination. Da würden wir uns ein Ferienhaus oder eine Hütte buchen, und der Mini-Camper dient nur zur An- und Abreise.
Unsere Italien-Tour fand im November und Dezember statt. Wir dachten: Italien ist warm! Wir stellten uns auf Herbsttemperaturen ein – also nur Übergangsjacken dabei. Den Zwiebellook mussten wir aber ganz schön ausreizen. Nicht Frühlingszwiebel – eher eine dicke, fette Gemüsezwiebel! Aber es ging gut – bis in ganz Europa der Wintereinbruch kam und der Wetterbericht sogar für die Provence Schnee meldete.
Da muss man durch:
Wir wollten von Sizilien mit der Fähre nach Genua und von dort nach Hause. In Sizilien wollten wir nur kurz unsere Vorräte auffüllen und gingen in einen italienischen Discounter. Dort lagen als Sonderangebot: beheizbare Wärmeunterbetten.
Format: 150 × 80 cm, 220V, 50W, mit einer Kunstfelloberfläche. Und das alles für schlappe 19 €.

Als wir nachts in Genua ankamen war es schon kalt, und in der Nacht sollte es unter 0 °C werden.
Also benutzen wir zum ersten Mal Strom auf einem Campingplatz. Verlängerungskabel anschließen, das Unterbett in die Mitte des Bettes legen – unter den Spannbettbezug. Volle Energie – Unterbett auf Stufe 2. Schnell ins Auto, Decke über den Kopf – die Nacht war kuschelig warm. Stufe 1 reicht vollkommen.
In der zweiten Nacht in Freiburg im Breisgau (angeblich die wärmste Stadt Deutschlands) – Schneefall. Im Auto alles okay. Der Morgen? Wie eine kalte Dusche. Micky musste sogar die Wollsocken als Handschuhe anziehen.
Die Impressionen seht ihr hier:





Unsere Winterzusatzausstattung

Das Wärmeunterbett ist das Herzstück. Unter der Bettdecke bleibt es damit angenehm warm. Die Windschutzscheibe kann trotzdem vereisen – die gesamte Luft im Fahrzeug erwärmt das Unterbett nicht. Dafür kommt durch das leicht geöffnete Fenster zu viel kalte Luft.
Ab etwa 7 °C finden wir es zu ungemütlich – dann setzen wir auf das Unterbett. Abgerundet wird der Kälteschutz durch handgestrickte Wollsocken.
Danke an Claudies Mutter und an Moni für die tollen Teile – wir haben eure Socken fast immer dabei.
Nachts sind sie klasse – an der Heckklappe kühlt der Wagen am schnellsten aus. Sockenpower! Wird es nachts doch zu warm, kann man sie einfach abstreifen. Wohlfühlplus: Die Socken haben keine einengenden Bündchen.
Und wenn es unten warm ist, fehlt nur noch was oben:
Wie wir von Max und Moritz wissen:
„Bald zu Bett geht Onkel Fritze
in der spitzen Zipfelmütze;
seine Augen macht er zu,
hüllt sich ein und schläft in Ruh.“
Zipfelmütze ist vielleicht nicht ganz Camperstil – aber dünne Merinowollmützen schon. Gerade für den haarlosen Camper ein Must-Have!
Zu guter Letzt: eine Wärmflasche für extra kalte Füße. Geht auch ohne – im Notfall einfach eine leere PET-Flasche mit heißem Wasser füllen. Auf Reisen hat man ja eher mehr als zu wenig PET-Flaschen.
Wir sind also mittlerweile Wintercamper – na ja, für ein oder zwei Nächte geht’s.
Mehr muss aber nicht sein. Aber im Frühling und Herbst nimmt unsere Winterzusatzausrüstung den kalten Nächten den Schrecken.
